Skatetrip: Part Three

Sind einige Tage vergangen seit dem letzten Blogeintrag, das liegt zum einen daran, dass wir faule Typen sind, andererseits, dass wir etwas frustriert von Nizza waren. Mittlerweile sitzen wir schon in unserem Hotelzimmer in Milano, aber alles der Reihe nach.

Am Mittwoch machten wir uns in Nizza mit einem Stadtplan auf zum 4-Wheels-Skateshop, etwas, dass wir schon viel früher hätten tun sollen. Der Typ, der dort arbeitet, war nämlich äusserst hilfsbereit und zeichnete uns einiges an Spots auf unserer Karte ein. Ein grosser Platz mit Curbs befindet sich direkt vor dem Shop, ein anderer Spot mit einer Zweiertreppe und kleineren Curbs ist keine 200 Meter davon entfernt. Die Curbs auf dem Platz vor dem Shop sind allerdings alle mit Skatestoppern versehen, bis auf eines. Der Typ aus dem Shop erzählte uns von seinem Freund, der für das Abmontieren der Skatestopper 15 Stunden ins Gefängnis musste!

Im Allgemeinen merkten wir an diesem Tag, wie heftig die Sicherheitskräfte in Nizza drauf sind, was das Skaten angeht. Am ersten Spot mit der Zweiertreppe waren zwischen 15 und 20 Kids am Skaten, ich hab noch nie so viele skatende Kids auf einem Haufen gesehen, vor Allem wenn es nicht um einen Contest ging. Nach 10 Minuten kamen allerdings die Cops und fuhren mit ihrem Wagen direkt neben mich, als ich mich gerade nach einem missglückten Trick auf die Schnauze legte. Der Polizist auf der Beifahrerseite befahl mir dann, ich solle all den anderen Skatern auf dem Platz sagen, dass wir verschwinden sollen. Irgendwie hab‘ ich den Typen aber nicht richtig verstanden, so dass einer der jüngeren Skater zum Wagen kam und mit dem Polizisten redete. Anschliessend befahl der Polizist über den Jungen all die anderen Kids zu sich und redete mit ihnen. Nachdem die Ordnungshüter weggefahren waren, skateten alle weiter, als ob nichts gewesen wäre. Auf die Frage von Chrigu hin, was der Polizist ihnen denn gesagt hatte, meinte einer, dass sie zwar verschwinden sollen. Mit einem Schulterzucken kommentierte er das auf französisch: „Aber wir sind ja keine Arschlöcher.“ Also blieben sie dort. Viva la Resistance!

Wir hingegen zogen es dann vor, die Curbs auf dem grossen Platz auszuprobieren. Kaum hatten wir angefangen, bemerkten wir einen alten Mann in einem gelben Hemd unweit von uns, der allem Anschein nach mit der Polizei telefonierte und unsere Beschreibungen durchgab. Wieder zogen wir nach 10 Minuten Skaten von einem Spot ab, allerdings konnten wir zwei oder drei Tricks in den Kasten kriegen. Gleich nach uns kamen ein paar andere Skater an den Spot und gerieten direkt in eine Diskussion mit dem Mann in Gelb.

Als wir etwa 500 Meter weiter einen Blick auf unsere Karte warfen, um den Weg zum nächsten Spot rauszufinden, rannten die zwei Skater von vorhin auf der anderen Strassenseite zu einem Zaun, winkten uns zu ihnen und kletterten darüber. Nach kurzem Zögern wechselten wir ebenfalls auf die andere Strassenseite, ich nahm meinen Rucksack ab, um raufzuklettern und einen Blick über das Geschehen hinter dem Zaun zu bekommen. Als ich den Kopf auf Zaunhöhe hatte, stand einer der beiden Skater vor mir und sagte: „Pass your Boards“. Anscheinend wollten die uns wirklich einen Spot zeigen. Nachdem wir es alle mitsamt Material über den Zaun geschafft hatten, befanden wir uns in einer schön gepflegten Parkanlage. In dieser Parkanlage befand sich ein Spot mit Gap, Curb und Manualtables, alles aus Marmor und fast vergleichbar mit dem Monument.

Begeistert von dem Anblick wollten wir direkt loslegen, aber natürlich trat auch hier nach nicht einmal fünf Minuten ein Sicherheitsmann auf den Plan. Beim verlassen des Parks verriet uns der Local, dass dieser Park normalerweise offen ist, aber vor ungefähr einem Monat ein Mädchen dort erstochen wurde. Seitdem ist der Park zu.

Dann kamen wir zu dem Spot, an dem wir erstmals ungestört filmen konnten: Zwei Treppen mit jeweils 14 Stufen und einer Ledge an der Seite. An einer der Treppen hatten die Locals ein Downrail montiert, allerdings ist das Ding hoch und lang. Deswegen konzentrierten wir uns hier nur auf die eine Ledge. Disu war schlussendlich der einzige, der sich das Ding zutraute, und versuchte es mit einem Frontside Tailslide zu schaffen. Leider ist das ding doch ziemlich lang, weswegen er nach ungefähr 7 Versuchen entnervt aufgab. Wir versuchten unser Glück dann nochmal beim Curb auf dem Platz vor dem Skateshop, wobei wir aus der Ferne beobachten konnten, wie die Polizei die Geduld mit den Kids am anderen Platz verloren. Ein etwa 14-jähriger wurde vom Polizisten am Ohr gepackt und bis vor den Skateshop geführt, bevor ihn der Polizist mit einer Geste losliess, die an das Wegwerfen von Abfall erinnerte. Nachdem wir uns die Diskussion Skateshop-Arbeiter versus Polizei angeschaut haben und die Polizei abzog, versuchten wir uns noch einmal am Curb. Erneut machten wir aber wieder Bekanntschaft mit dem Mann in Gelb, der sogar ein Foto von mir machte. Wie uns der Skater im Park erzählt hatte, arbeitet der Mann in Gelb für den hiesigen Richter. Grund genug für uns, wieder unverrichteter Dinge zu verschwinden.

Der letzte Spot des Tages sollte dann noch einmal die Big-Three sein, bei der wir eine gute Session zusammen mit einem anderen Skater hatten, der sich vorher von Chrigu eine Zigarette schnorrte. Dieser Typ heisst Angelo Falero, stammt aus Lyon und hat einen Nachtjob in Nizza. Er gönnte sich an der Big-Three zum einwärmen einen Kickflip und versuchte sich dann einige Male an einem Backside 360°. Wenn er nicht so viel Bier intus gehabt hätte, hätte er den sicher noch rausgefahren. Disu drückte dem Spot mit einem Backside 180° und einem Backside Flip seinen Stempel auf. Ich hatte mich gerade mit dem Ollie an den Spot rangetastet, als der Regen einsetzte und den Boden in eine Schlitterbahn verwandelte.

Das war’s erstmal für heute, das nächste Mal erfahrt ihr, was wir am Flughafen gefunden und wie wir die Reise nach Milano überstanden haben.

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